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themen:ethikeinfuehrung:kap_10

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themen:ethikeinfuehrung:kap_10 [2018/12/10 20:55]
jge
themen:ethikeinfuehrung:kap_10 [2018/12/10 20:55] (aktuell)
jge [X.4 Werturteile: Zuschreibung und Beschreibung]
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 Von einem Experten, einem Kunstkritiker erwarten wir, daß er Gründe angeben kann, die möglichst unabhängig sind von subjektiven Eindrücken:​ "Das Bild ist schlecht, denn ich mag keine dunklen Farben"​ wäre kein Ausweis von Expertentum. Von einem Experten, einem Kunstkritiker erwarten wir, daß er Gründe angeben kann, die möglichst unabhängig sind von subjektiven Eindrücken:​ "Das Bild ist schlecht, denn ich mag keine dunklen Farben"​ wäre kein Ausweis von Expertentum.
  
-[28] Manchmal wirkt die Diskussion im Literarischen Quartett (Anmerkung: Einstmals berühmte Fernsehsendung,​ in der 4 Literaturkritiker belletristische Neuerscheinungen besprachen) so, als hätten die Kritiker verschiedene Bücher gelesen: Sie beschreiben,​ was sie gelesen haben, anders. Deshalb fällen sie verschiedene Werturteile.+Manchmal wirkt die Diskussion im Literarischen Quartett (Anmerkung: Einstmals berühmte Fernsehsendung,​ in der 4 Literaturkritiker belletristische Neuerscheinungen besprachen) so, als hätten die Kritiker verschiedene Bücher gelesen: Sie beschreiben,​ was sie gelesen haben, anders. Deshalb fällen sie verschiedene Werturteile.
  
-[29] Ob sie zu den gleichen Werturteilen kämen, wenn sie das Gelesene gleich beschrieben,​ ist eine interessante (aber nur spekulativ zu beantwortende) Frage.+Ob sie zu den gleichen Werturteilen kämen, wenn sie das Gelesene gleich beschrieben,​ ist eine interessante (aber nur spekulativ zu beantwortende) Frage.
  
-[30] Ästhetische Werturteile sind ebenso universell wie ethische Werturteile:​ Jeder Gegenstand, auf den die Beschreibung zutrifft, die Grundlage des Werturteils ist, wird gleich bewertet. Das ist ein Gesetz der Logik. Es wäre unsinnig zu sagen, daß zwar dieses Buch "Unter Rosterzittern"​ ein gutes Buch sei, aber jenes Buch, das dort drüben liegt und den gleichen Titel hat, sei kein gutes Buch. Daß zwei Bücher gleich sind, ist der überzeugendste Fall von Ähnlichkeit zwischen Kunstwerken.+Ästhetische Werturteile sind ebenso universell wie ethische Werturteile:​ Jeder Gegenstand, auf den die Beschreibung zutrifft, die Grundlage des Werturteils ist, wird gleich bewertet. Das ist ein Gesetz der Logik. Es wäre unsinnig zu sagen, daß zwar dieses Buch "Unter Rosterzittern"​ ein gutes Buch sei, aber jenes Buch, das dort drüben liegt und den gleichen Titel hat, sei kein gutes Buch. Daß zwei Bücher gleich sind, ist der überzeugendste Fall von Ähnlichkeit zwischen Kunstwerken.
  
-[31] (Würden wir sagen, daß nicht das Buch das Kunstwerk sei, sondern die abstrakte Entität "​Text"?​ Was machen wir mit Übersetzungen?​ Ist nicht der Text das Kunstwerk, sondern die kunstvolle Folge von Gedanken?)+(Würden wir sagen, daß nicht das Buch das Kunstwerk sei, sondern die abstrakte Entität "​Text"?​ Was machen wir mit Übersetzungen?​ Ist nicht der Text das Kunstwerk, sondern die kunstvolle Folge von Gedanken?)
  
-[32] Wann ist eine Beschreibung für ein Urteil über die Gutheit eines Kunstwerkes angemessen? Ein Farbenblinder sieht Bilder anders als ein normal sehfähiger Mensch. Seinen Urteilen über Bilder werden wir mißtrauisch gegenüberstehen,​ weil wir wissen, daß seine Beschreibungen der beurteilten Gegenstände einen wesentlichen Gesichtspunkt nicht enthalten, nämlich die Farbe. Darum können seine Urteile nicht wohlbegründet sein. (Bei Zeichnungen trauen wir ihm vielleicht ein Urteil zu.)+Wann ist eine Beschreibung für ein Urteil über die Gutheit eines Kunstwerkes angemessen? Ein Farbenblinder sieht Bilder anders als ein normal sehfähiger Mensch. Seinen Urteilen über Bilder werden wir mißtrauisch gegenüberstehen,​ weil wir wissen, daß seine Beschreibungen der beurteilten Gegenstände einen wesentlichen Gesichtspunkt nicht enthalten, nämlich die Farbe. Darum können seine Urteile nicht wohlbegründet sein. (Bei Zeichnungen trauen wir ihm vielleicht ein Urteil zu.)
  
-[33] Wäre es richtig zu fordern, daß jemand, von dem wir ein kompetentes Urteil erwarten, prinzipiell zur vollständigen Wahrnehmung befähigt sein müsse? Was bedeutete dies? Vollständige Wahrnehmung kann so näher erklärt werden: Dem Wahrnehmenden darf nicht die Fähigkeit mangeln, sämtliche Dimensionen des Kunstwerks zu sehen (Farbe sei eine Dimension) - sämtliche relevanten Elemente. (Setzt Relevanz einen Zweck voraus?)+Wäre es richtig zu fordern, daß jemand, von dem wir ein kompetentes Urteil erwarten, prinzipiell zur vollständigen Wahrnehmung befähigt sein müsse? Was bedeutete dies? Vollständige Wahrnehmung kann so näher erklärt werden: Dem Wahrnehmenden darf nicht die Fähigkeit mangeln, sämtliche Dimensionen des Kunstwerks zu sehen (Farbe sei eine Dimension) - sämtliche relevanten Elemente. (Setzt Relevanz einen Zweck voraus?)
  
 ===== X.5 Werturteile:​ Beschränkte Beschreibung ===== ===== X.5 Werturteile:​ Beschränkte Beschreibung =====
themen/ethikeinfuehrung/kap_10.txt · Zuletzt geändert: 2018/12/10 20:55 von jge