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themen:ethikeinfuehrung:kap_09

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themen:ethikeinfuehrung:kap_09 [2018/12/10 20:48]
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themen:ethikeinfuehrung:kap_09 [2018/12/10 20:49] (aktuell)
jge [IX.12 "Frommes" Handeln ist rechtes Handeln]
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-[12]+//Wer weiß, wer die Bombe gelegt hatte; in jenen Tagen gab es viele, die Gewalt säten. Vielleicht war es sogar eine monotheistische Bombe, die ein besonders fanatischer Glaubensbruder Mahmouds im "​Imperium"​ gelegt hatte, denn offenbar explodierte der Zeitzünder während einer besonders schlüpfrigen Liebesszene,​ und wir wissen, was die Gottesfürchtigen von der Liebe halten - oder von ihrem Abbild -, vor allem, wenn man Eintrittsgeld zahlen muß, um sie zu sehen ... sie sind dagegen. Sie zensieren sie. Liebe verdirbt die Sitten.\\ 
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 +Scham und Schande, Salman Rushdie// \\ 
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-    Wer weiß, wer die Bombe gelegt hatte; ​in jenen Tagen gab es vieledie Gewalt säten. Vielleicht war es sogar eine monotheistische Bombedie ein besonders fanatischer Glaubensbruder Mahmouds im "Imperium" ​gelegt hatte, denn offenbar explodierte der Zeitzünder während einer besonders schlüpfrigen Liebesszene, und wir wissen, was die Gottesfürchtigen von der Liebe halten - oder von ihrem Abbild -vor allemwenn man Eintrittsgeld zahlen muß, um sie zu sehen ... sie sind dagegenSie zensieren sie. Liebe verdirbt die Sitten.+Euthyphron verhält sich unkonventionell. Er nimmt für sich in Anspruchdennoch rechtgemäß zu handelnda er nach dem "göttlichen Recht" ​handle, und das sei wahre Frömmigkeit. (Anmerkung: Die betreffenden Wörter sind osios bzw. anosios und die davon abgeleiteten Substantive. Sie bedeuten ebenso "nach göttlichem Recht geboten"​ wie "nach natürlichem Recht geboten"​ und dann "​heilig"​"​fromm"​"​recht"​Göttliches und natürliches Recht sind untrennbar verbunden.) Diese Behauptung des Euthyphron nimmt nicht weiter Wunder: Er ist SeherWer sonst, wenn nicht ein Seher, sollte denn über das Göttliche und das Fromme Bescheid wissen?
  
-    Scham und SchandeSalman Rushdie ​+So denkt auch Sokrates, und damit ist die Ausgangslage für einen sokratischen Dialog klar. Sokrates brennt darauf, an dem Wissen des Euthyphron teilzuhaben und fordert diesen daher auf, es ihn zu lehren - es könnte ihm vielleicht bei seinem Streit mit Meletos nützlich sein, wenn er genau wüßte, was recht und was unrecht sei. Allerdings wäre es dazu notwendig, daß Euthyphron ihm sagte, was denn an allen frommen bzw. rechten Handlungen das Gemeinsame sei. (Anmerkung: Sokrates'​ Frage geht nach der "​bestimmten Gestalt"​ (wie LEGGEWIE übersetzt),​ die alles Fromme habe. Das Wort im Griechischen ist "​idea"​ (5d/6d) (übersetzt als "​Urform"​ oder "​Urbild"​),​ "​eidos"​ (6d) und "​paradeigma"​ (6e) (übersetzt als "​Muster"​);​ es ist daswas bei jedem frommen Handeln gleich ist. "​Idee"​ ist Philosophen ein Signalwort - der junge PLATON denkt hier seiner Ideenlehre vor.)
  
-[13] Euthyphron ​verhält sich unkonventionellEr nimmt für sich in Anspruchdennoch rechtgemäß zu handeln, da er nach dem "​göttlichen Recht" handle, und das sei wahre Frömmigkeit. (Anmerkung: Die betreffenden Wörter sind osios bzw. anosios und die davon abgeleiteten Substantive. Sie bedeuten ebenso "nach göttlichem Recht geboten"​ wie "nach natürlichem Recht geboten"​ und dann "​heilig"​"​fromm"​"​recht"​. Göttliches und natürliches Recht sind untrennbar verbunden.Diese Behauptung des Euthyphron nimmt nicht weiter Wunder: Er ist SeherWer sonst, wenn nicht ein Seher, sollte denn über das Göttliche und das Fromme Bescheid wissen?+Euthyphron ​bringt dann zunächst ein Einzelbeispiel:​ Auch Zeus habe seinen Vater in Fesseln geschlagen - was ein Gott getan habe, sei sicher eine fromme HandlungDieses Beispiel vermag aber Sokrates nicht zufriedenzustellen;​ zum einen ist es nur ein Beispiel und liefert kein Kriterium, woran sich rechtes Handeln erkennen läßtzum anderen sind Handlungen der Götter kaum als Vorbild geeignet, da die vielen Götter der Griechen durchaus unterschiedliche Dinge getan habendarunter auch solchedie Sokrates intuitiv nicht für richtig hält (6c).
  
-[14] So denkt auch Sokrates, und damit ist die Ausgangslage für einen sokratischen Dialog klar. Sokrates brennt darauf, an dem Wissen des Euthyphron teilzuhaben und fordert diesen daher auf, es ihn zu lehren - es könnte ihm vielleicht bei seinem Streit mit Meletos nützlich sein, wenn er genau wüßte, was recht und was unrecht sei. Allerdings wäre es dazu notwendig, daß Euthyphron ihm sagte, was denn an allen frommen bzw. rechten Handlungen das Gemeinsame sei. (Anmerkung: Sokrates'​ Frage geht nach der "​bestimmten Gestalt"​ (wie LEGGEWIE übersetzt),​ die alles Fromme habe. Das Wort im Griechischen ist "​idea"​ (5d/6d) (übersetzt als "​Urform"​ oder "​Urbild"​),​ "​eidos"​ (6d) und "​paradeigma"​ (6e) (übersetzt als "​Muster"​);​ es ist das, was bei jedem frommen Handeln gleich ist. "​Idee"​ ist Philosophen ein Signalwort - der junge PLATON denkt hier seiner Ideenlehre vor.) +Euthyphron bietet dann als Definition an, fromm bzw. recht sei, "was den Göttern lieb sei" (6ef). Er sieht sich durch den Hinweis des Sokrates darauf, daß sich die Götter durchaus nicht immer darin einig seien (7b), zu der Ergänzung gezwungen, fromm sei, was allen Göttern lieb sei (9d).
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-[15] Euthyphron bringt dann zunächst ein Einzelbeispiel:​ Auch Zeus habe seinen Vater in Fesseln geschlagen - was ein Gott getan habe, sei sicher eine fromme Handlung. Dieses Beispiel vermag aber Sokrates nicht zufriedenzustellen;​ zum einen ist es nur ein Beispiel und liefert kein Kriterium, woran sich rechtes Handeln erkennen läßt, zum anderen sind Handlungen der Götter kaum als Vorbild geeignet, da die vielen Götter der Griechen durchaus unterschiedliche Dinge getan haben, darunter auch solche, die Sokrates intuitiv nicht für richtig hält (6c). +
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-[16] Euthyphron bietet dann als Definition an, fromm bzw. recht sei, "was den Göttern lieb sei" (6ef). Er sieht sich durch den Hinweis des Sokrates darauf, daß sich die Götter durchaus nicht immer darin einig seien (7b), zu der Ergänzung gezwungen, fromm sei, was allen Göttern lieb sei (9d).+
  
 ===== IX.2 Das Rechte ist das Gottgeliebte?​ ===== ===== IX.2 Das Rechte ist das Gottgeliebte?​ =====
themen/ethikeinfuehrung/kap_09.txt · Zuletzt geändert: 2018/12/10 20:49 von jge