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selberleben:philobar_20090309

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selberleben:philobar_20090309 [2020/05/24 19:49]
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selberleben:philobar_20090309 [2020/05/24 19:50] (aktuell)
jge [DENKEN WIR OHNE SPRACHE?]
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 Tja, worauf beziehen sich die FRBR, wenn sie sich auf etwas so Abstraktes beziehen, wie Faust ohne Sprache? Die Antwort: Auf gar nichts. Der Irrtum besteht darin, für die FRBR-Entität eine Entsprechung in der Welt zu suchen, d.h. die FRBR als ontologisches Modell zu interpretieren. Die FRBR sind ein epistemisches Modell, kein ontologisches. Übrigens ist dieser Irrtum dem Modell natürlich eingeschrieben,​ d.h. er ist nicht zu vermeiden. Auch Wiesenmüller legt ihn nahe, wenn sie die Entitäten der Gruppe 1 in einer hierarchischen Struktur zeigt und einen Pfeil "​abstrakt → konkret"​ vom Werk zum Exemplar zeichnet. Die Manifestation ist genauso abstrakt wie das Werk! D.h. es gibt keinen Gegenstand in der Welt, der einer Manifestation entspricht. Wiesenmüller schreibt auch, dass die Entität Werk "am ehesten im Kopf ihres Schöpfers verortet"​ werden könne, "oder in der ganz allgemeinen Weise, in der man z.B. über den 'Herrn der Ringe' sprechen kann, ohne sich damit auf eine bestimmte Ausformung zu beziehen"​ (S. 350). Auch dies ist viel zu konkret. Tatsächlich scheint es mir nur einen einzigen Satz zu geben, der sich über den //Herrn der Ringe// sagen lässt, der sich nicht auf eine bestimmte Ausformung bezieht, und das ist "Der //Herr der Ringe// ist von Tolkien."​ Aber das ist ja nur die Konkretion der Feststellung,​ dass Werke Schöpfer haben, was für meine Intuition zum Werk-Begriff ebenso stimmt wie für das FRBR-Modell. Tja, worauf beziehen sich die FRBR, wenn sie sich auf etwas so Abstraktes beziehen, wie Faust ohne Sprache? Die Antwort: Auf gar nichts. Der Irrtum besteht darin, für die FRBR-Entität eine Entsprechung in der Welt zu suchen, d.h. die FRBR als ontologisches Modell zu interpretieren. Die FRBR sind ein epistemisches Modell, kein ontologisches. Übrigens ist dieser Irrtum dem Modell natürlich eingeschrieben,​ d.h. er ist nicht zu vermeiden. Auch Wiesenmüller legt ihn nahe, wenn sie die Entitäten der Gruppe 1 in einer hierarchischen Struktur zeigt und einen Pfeil "​abstrakt → konkret"​ vom Werk zum Exemplar zeichnet. Die Manifestation ist genauso abstrakt wie das Werk! D.h. es gibt keinen Gegenstand in der Welt, der einer Manifestation entspricht. Wiesenmüller schreibt auch, dass die Entität Werk "am ehesten im Kopf ihres Schöpfers verortet"​ werden könne, "oder in der ganz allgemeinen Weise, in der man z.B. über den 'Herrn der Ringe' sprechen kann, ohne sich damit auf eine bestimmte Ausformung zu beziehen"​ (S. 350). Auch dies ist viel zu konkret. Tatsächlich scheint es mir nur einen einzigen Satz zu geben, der sich über den //Herrn der Ringe// sagen lässt, der sich nicht auf eine bestimmte Ausformung bezieht, und das ist "Der //Herr der Ringe// ist von Tolkien."​ Aber das ist ja nur die Konkretion der Feststellung,​ dass Werke Schöpfer haben, was für meine Intuition zum Werk-Begriff ebenso stimmt wie für das FRBR-Modell.
  
-==== DENKEN WIR OHNE SPRACHE? ====+==== Denken wir ohne Sprache? ====
  
 Die Idee, dass man ein Werk "im Kopf seines Schöpfers"​ verorten könne, es dort aber keine Sprache habe, legt jedenfalls eine These nahe über das Schöpferische und das Denken, die fragwürdig ist, und die ohnehin nicht nebenbei von einem Datenmodell geklärt werden kann: Können wir ohne Sprache denken? Und: Können wir ohne Sprache etwas Sprachliches denken? Die zweite Frage würde ich in jedem Fall mit "​Nein"​ beantworten. Die Idee, dass man ein Werk "im Kopf seines Schöpfers"​ verorten könne, es dort aber keine Sprache habe, legt jedenfalls eine These nahe über das Schöpferische und das Denken, die fragwürdig ist, und die ohnehin nicht nebenbei von einem Datenmodell geklärt werden kann: Können wir ohne Sprache denken? Und: Können wir ohne Sprache etwas Sprachliches denken? Die zweite Frage würde ich in jedem Fall mit "​Nein"​ beantworten.
selberleben/philobar_20090309.txt · Zuletzt geändert: 2020/05/24 19:50 von jge