Uhrmacher

1. Szenario

Bei Überqueren eines Weges stößt mein Fuß an einen Stein; wenn ich mich frage, wie der Stein an diese Stelle kam, könnte ich denken, er habe schon immer da gelegen. Man stelle sich vor, stattdessen hätte ich mich an einer Uhr gestoßen, und nun fragte ich mich, wie wohl die Uhr an diese Stelle käme. Sie muss von jemandem an diese Stelle getragen worden sein, und sie muss vorher von jemandem gemacht worden sein.

2. Quelle

Paley, William: Natural theology, or Evidences of the existence and attributes of the deity collected from the appearances of nature. 1802.

3. Anmerkung

Das Gedankenexperiment ist eine Variante des 'argument from design', das heute gern von Anhängern der 'Intelligent design'-These vorgebracht wird.

Die entscheidende Frage ist, ob die Welt so ist wie eine Uhr: also von erkennbarer Zweckmäßigkeit. Wenn Paley mit einem Stein vergleicht, dann hat er in der Umgebung, für die er sich die Frage nach der Auffälligkeit und Zweckmäßigkeit stellt, einen Vergleichsgegenstand. Den gibt es für die 'Schöpfung' nicht, da sie ja als das Gesamt aller Dinge zu denken ist. Außerdem bezieht sich die Zweckmäßigkeit der Uhr auf etwas außerhalb ihrer selbst -- kann man die Uhr nicht darauf beziehen, ist sie auch nicht so interessant. Dass sie z.B. die Zeit anzeigt, ist eine Eigenschaft, die sich durch etwas außerhalb der Uhr konstitutiert. Auch hier ist bei der analog gedachten 'Schöpfung' nicht zu sehen, was das wohl sein könnte.


Paley, William (1743-1805)
Religionsphilosophie
Klassisches Gedankenexperiment

Geändert am:
24. September 2006

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