Turing-Maschine

1. Szenario

Das Imitationsspiel wird so aufgebaut: eine männliche Person A sitzt in einem Raum, eine weibliche Person B im selben, ein Fragensteller C in einem anderen. C kommuniziert mit A und B über geschriebene Botschaften, die ausgetauscht werden. Er soll durch Fragen feststellen, welche der beiden antwortenden Personen A und welche B ist (bzw. welche weiblich, welche männnlich ist). Wenn A durch eine Maschine ersetzt würde: könnte er feststellen, welches die Maschine ist?

2. Quelle

Alan M. Turing: Computing machinery and intelligence. Mind H. 236, 59 (1950), 433-460, hier 433-434.

3. Anmerkung

Das ist eines der berühmtesten Gedankenexperimente überhaupt. Was macht Intelligenz aus? Wenn die Antworten einer Maschine von denjenigen einer Person ununterscheidbar wären, würden wir ihr dann Intelligenz zuschreiben? Und Bewusstsein?

Der erste konkrete Versuch in dieser Richtung ist das Programm ELIZA, das Mitte der 60er Jahre von Joseph Weizenbaum geschrieben wurde. Das Programm kommunizierte wie ein Psychotherapeut, der auf der Basis der 'indirekten Beratung' nach D. R. Rogers arbeitet; es funktionierte mit einem Katalog von typischen Äußerungen und der systematischen (rein grammatischen) Umformung der an ihn gestellten Anfragen, nach dem Muster "Ich fühle mich heute so schlecht" - ELIZA: "Warum fühlst du dich heute so schlecht?".

Einige der Versuchspersonen gewannen den Eindruck, dass das Programm sie verstünde, ja sich in sie einfühlen könne: das ist der "ELIZA-Effekt". Heutzutage gibt es auf manchen Webseiten Gesprächs-'Bots', die ähnlich arbeiten: etwa auf den Seiten von Yello-Strom, oder auf der Webseite der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Wie man dort leicht ausprobieren kann, kommen diese Bots schnell an ihre Grenzen: wo man ungewöhnliche grammatische Formulierungen oder Schreibfehler einbaut oder wo man ihr Experten-Gebiet verlässt. Ein neuerer Ansatz der Forschung zur künstlichen Intelligenz besteht daher darin, ein Programm mit sprachlichem und mit Weltwissen zu versehen, das es in die Lage versetzen würde, auch auf unerwartete Fragen zu reagieren. Eine interessante literarische Umsetzung findet dies in dem Roman von Richard Powers: Galatea 2.2.


Turing, Alan M. (1912-1954)
Philosophie des Geistes
Zeitgenössisches Gedankenexperiment

Geändert am:
3. Januar 2007

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