Pascals Wette

1. Szenario

Gibt es einen Gott? Als rationaler Mensch kann man nur zugeben, dass diese Frage unentscheidbar ist. Dann sollte man sich der Frage zuwenden, ob es besser ist, an Gott zu glauben, als, nicht an ihn zu glauben. Gibt es ihn und man glaubt an ihn: gut. Gibt es ihn und man glaubt nicht an ihn: landet man in der Hölle. Gibt es ihn nicht und man glaubt an ihn: hat man keinen Nachteil davon. Und gibt es ihn nicht und man glaubt nicht an ihn, macht es nichts aus. Es ist also rational, an Gott zu glauben: damit man im Falle seiner Existenz die ewige Seligkeit erlangt.

2. Quelle

Pascal, Blaise: Pensées, 1670, Nr. 223.

3. Anmerkung

Ein Gedankenexperiment, das ich ernsthaft schon als Argument für den Gottesglauben von einem Christen gehört habe!

Die Wette hat mehrere Fehler:

1. Natürlich kann man sich nicht entschließen zu glauben; entsprechend kann man auf rationale Weise nur zu einem bestimmten Verhalten kommen, z.B. einem solchen, als ob man glaube. Dass dies dem gemeinten Gott gefalle, ist wohl nicht sicher; sollte er Missfallen an einem Atheisten haben, dann vermutlich auch an einem, der sich zum glaubenden Verhalten entschlossen hat, weil er einen Vorteil davon zu haben hofft.

2. Woher wissen wir, auf welchen Gott wir bei dieser Wette setzen wollen? Vielleicht nimmt ein Gott den Glauben an einen anderen mehr übel als einen Agnostizismus? Ist es der Gott der Christen, der der Juden, der der Moslems, oder überhaupt kein monotheistischer Gott?

3. Pascal dachte, dass es kein Nachteil sei, wenn es keinen Gott gäbe, an einen zu glauben. Das stimmt aber möglicherweise nicht, abhängig davon, ob man einen an Gott gebundenen Moralbegriff vertritt: a) weil damit die moralische Grundlage fehlt, b) weil man damit möglicherweise engeren Vorstellungen folgt, als man es gerne würde.


Pascal, Blaise (1623-1662)
Religionsphilosophie
Klassisches Gedankenexperiment

Geändert am:
9. Februar 2008

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