Fall zweier Körper (Benedetti)

1. Szenario

(Meine Übersetzung der englischen Übersetzung): "Stellen wir uns zwei Körper O und G vor [von derselben Form und aus demselben Material, wobei O viermal so groß ist wie G], die sich in einer Leere bewegen, und einen Körper, der so groß ist wie O [aus demselben Material], geteilt in 4 gleiche Teile. In diesem Fall wird jeder dieser Teiledem Körper G gleich sein in Gewicht und Größe. Wir nennen diese Teile N, L, K und H, und sie zusammen sind O gleich an Gewicht, wie offensichtlich ist, da sie ja aus demselben Material sind. Ich verbinde sie mit einer Leine durch ihre Mitten. Offensichtlich werden die Körper N, L, K und H mit der gleichen Geschwindigkeit fallen wie der Körper O, weil sie keinen Widerstand erfahren [in der Leere] und ihr Gewicht dasselbe ist [wie das von O]. Außerdem wird Körper G sich mit derselben Geschwindigkeit bewegen, mit der sichdie mit einer Leine durch ihre Mitten verbundenen Körper N, L, K, H zusammen bewegen. Daher wird G sich mit derselben Geschwindigkeit bewegen wie O (nach dem ersten Euklidischen Axiom). Es ist daher klar, dass Körper aus demselben Material, obwohl von verschiedener Größe, sich [durch die Leere] mit gleicher Geschwindigkeit bewegen."

2. Quelle

Giovanni Battista Benedetti: Demonstratio proportionum motuum localium, Venedig 1554 (Iden des Februar).
(Es gab zwei verschiedene Drucke 1554, vgl. Drabkin 1963).
Englische Übersetzung: Benedetti 1969, hier S. 158.

3. Anmerkungen

Homogene Körper derselben Form fallen mit der gleichen Geschwindigkeit, egal welche Größe sie haben. Das verteidigt Benedetti mit der Überlegung, eine Kugel werde nicht schneller fallen als die n Kugeln, in die man sie zerlegen könnte, wenn diese n Kugeln mit einer gewichtslosen Leine verbunden würden. Weil die verbindende Leine keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit hat, wird jede Kugel dieselbe Fallgeschwindigkeit haben wie die größere. (Nach Drabkin 1963)

Dies sieht aus wie ein Vorläufer zu Galileis berühmtem Gedankenexperiment. Allerdings konnte ich bisher keine genaue Wiedergabe von Benedettis Text finden; Den Hinweis auf Benedettis Überlegungen habe ich dem Wikipedia-Artikel "Freier Fall" (15.2.2008)) entnommen.

Benedetti befindet sich, wie Galilei, mitten auf dem Weg zur modernen Physik. Seine Demonstratio richtet sich gegen die Aristotelische Theorie des Fallgesetzes, indem es das spezifische, nicht das absolute Gewicht zum bestimmenden Faktor der Fallgeschwindigkeit macht und auch der Dichte des Mediums, durch das die Körper fallen, eine andere Rolle zuschreibt.

Drabkin macht darauf aufmerksam, dass die beiden Drucke der Demonstratio (deren vermutlich späterer genauer mit einem Druckvermerk "Iden des Februar 1554" datiert ist) sich unterscheiden in dem Gewicht, dass sie dem Medium zumessen, durch das die Körper fallen. Benedetti muss aufgefallen sein, dass eine größere Oberfläche eines Körpers einen größeren Widerstand beim Fall durch das Medium, z.B. die Luft, bedeutet, so dass sich daraus ein Unterschied in der Fallgeschwindigkeit ergeben kann.

Benedettis Demonstratio wurde 'plagiiert' von Jean Taisnier: Opusculum perpetua memoria dignissimum, 1562 (auch dies nach Drabkin).

Benedetti, Giovanni Battista (1530-1590)
Naturwissenschaft
Klassisches Gedankenexperiment

Geändert am:
2. Februar 2009

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