Erfahrungsmaschine

1. Szenario

Man stelle sich eine Erfahrungsmaschine vor, an die man sich anschließen lassen könnte, um dort alle Erfahrungen zu machen, die man gerne machen möchte. Neurologen könnten das Gehirn so stimulieren, dass es sich so anfühlt, als würde man Fallschirmspringen, Delikatessen essen, Sex haben oder ein gutes Buch schreiben. Während man diese Dinge erfährt, würde man in einem Tank in Nährflüssigkeit schweben, per Elektroden mit der Maschine verbunden.

Würde man sich wünschen, an die Maschine angeschlossen zu werden?

2. Quelle

Nozick, Robert: Anarchy, state, and utopia. - New York : Basic books, 1974, 42-43.

3. Anmerkung

Nozick versucht zu zeigen, dass bei Erfahrungen nicht nur zählt, wie sie sich anfühlen, sondern auch, worauf sie sich beziehen. Er meint, dass wir Erfahrungen selbst leben wollen. Er greift damit die utilitaristische und ähnliche "mental welfare" Theorien an, welche einen bestimmten mentalen Zustand, z.B. 'pleasure', als Handlungsziel sehen. Käme es darauf an, würde es genügen, alle Menschen an die Maschine anzuschließen!

Gegen Nozicks Argument hat z.B. Eduardo Rivera-Lopez eingewandt, dass sich Nozicks Argumentation auflösen lässt, wenn man zwischen Wünschen erster und zweiter Ordnung unterscheidet: Wir wollen nicht nur das Gefühl haben, ein gutes Buch zu schreiben, wir wollen außerdem ein gutes Buch schreiben und nicht in unserem Gefühl getrogen werden. Siehe http://www.bu.edu/wcp/Papers/Valu/ValuRive.htm.

Mir scheint, dass Rivera-Lopez' Einwand mit einem zusätzlichen Schlenker im Gedankenexperiment leicht überwunden werden kann: weil die Maschine natürlich sicherstellen kann, dass es sich so anfühlt, als wäre die Erfahrung echt. Und die Maschine könnte auch die Erinnerung daran löschen, was passiert ist, so dass also zu fragen wäre, ob wir die Erfahrungen wollen, wenn wir sicher sein könnten, dass sie sich echt anfühlen.

Eine künstlerische Umsetzung dieses Gedankenexperiments ist der Film 'Die Matrix'. Die Figur Cypher entscheidet sich im Gespräch mit dem Agenten Smith dafür, wieder an die Matrix angeschlossen zu werden.

Nozick, Robert (1938-2002)
Ethik
Zeitgenössisches Gedankenexperiment

Geändert am:
10. Februar 2007

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