Doppelter Heimweg

1. Szenario

Wenn William James nach einem Vortrag nach Hause geht, hat er zwei gleichlange Wege zur Wahl: Divinity Avenue und Oxford Street. Man stelle sich das Unmögliche vor, dass James jedesmal beide Wege geht: er entscheidet sich für einen, kommt zuhause an; die Zeit läuft die zehn Minuten des Heimwegs zurück, und er muss sich noch einmal entscheiden: jetzt für den anderen Weg. Der Beobachter sähe zwei alternative Universen: eines, in dem James Divinity Avenue heimgeht, eines, in dem er Oxford Street heimgeht. Wäre der Beobachter ein Determinist, müsste er eines von beiden Universen für unmöglich halten (denn nur eines von beiden kann ja determiniert sein durch die vorhergehenden Handlungen). Aber ist es in dieser Beobachterperspektive möglich zu entscheiden, welches der beiden Universen das unmögliche ist?

2. Quelle

James, William: The dilemma of determinism (1884). Repr. in: Ders., The will to believe and other essays in popular philosophy. Cambridge / MA : Harvard UP, 1979. 114-140.

3. Anmerkung

Ein Determinist müsste wohl das Szenario für unmöglich erklären: James kann gar nicht beide Wege gehen, weil er sich nur für eine von beiden Möglichkeiten entscheiden kann. Das Szenario sieht nur so aus, als ob beides möglich wäre, weil James hier keine Vorgeschichte (und damit auch keine Determinanten) erzählt.

James, William (1842-1910)
Willensfreiheit und Determinismus
Klassisches Gedankenexperiment

Geändert am:
10. Februar 2007

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