Chinesisches Zimmer

1. Szenario

Eine Person wird in ein Zimmer gesetzt, das gefüllt ist mit Körben mit chinesischen Schriftzeichen und deren Kombinationen. Die Person wird mit einem Regelbuch ausgestattet. Manchmal kommt von außerhalb eine Botschaft aus chinesischen Schriftzeichen, dann analysiert die Person diese und reagiert ihrem Regelbuch entsprechend, stellt z.B. aus Schriftzeichen eine eigene Botschaft zusammen, die dann den Raum verlässt. Die Person kann kein Chinesisch. Stellen wir uns vor, dass die Antworten der Person nicht unterscheidbar wären von denen, die eine Person geben würde, die chinesisch könnte. Zugleich lässt sich aber das Szenario einem Computerprogramm vergleichen: das Regelbuch ist das Programm und die Datenbank, die Person die Hardware. So wie die Person nicht chinesisch versteht, würde auch der Computer nicht chinesisch verstehen, selbst wenn seine Antworten immer passend sein würden.

2. Quelle

John R. Searle: Minds, brains and programs. In: Behavioral and brain sciences 3 (1980), 417-424.

3. Anmerkung

Vieldiskutiertes Gedankenexperiment von Searle, das man als Antwort auf die Turing-Maschine verstehen kann. Searle hat es selbst mehrfach vorgetragen, und gleich an die erste Veröffentlichung (oben genannt) schließen bereits eine Reihe von Antworten an, meist von Neurowissenschaftlern, auf die Searle seinerseits reagiert hat. Sein Hauptpunkt ist der, dass die Person nur Symbole manipuliert, während ein Mensch Bedeutung mit ihnen verbindet.

Ein Kritikpunkt ist: dass man von der Person nicht sagen würde, dass sie chinesisch versteht, wohl aber von dem gesamten System aus Person, Regelbuch, Zimmer etc. Ein weiterer, dass das Szenario nicht möglich ist: gleiche Eingaben müssten (bei einem echten Menschen) ja verschiedene Antworten zur Folge haben können.

Searle beantwortet nebenbei das Turing-Szenario in eigentümlicher Weise: Er hält das Bestehen des Tests offenbar für möglich, würde aber trotzdem nicht sagen, dass eine Maschine denken kann (weil Denken etwas anderes ist). Heißt das, der Turing-Test wäre kein geeigneter Test für echte Intelligenz?

Searle, John R. (1932- )
Philosophie des Geistes
Zeitgenössisches Gedankenexperiment

Geändert am:
10. Februar 2007

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